«Aber bitte nicht so ein unnötiges, lautes Schiffsgehupe»

«Aber bitte nicht so ein unnötiges, lautes Schiffsgehupe»

Eine Lärmklage in Zürich hat schweizweit Diskussionen um Schallsignale auf Seen ausgelöst. Die Bielersee Schifffahrtsgesellschaft vertritt eine klare Meinung: Punkto Sicherheit gibt es keine Kompromisse.

Horn-Verbot. Ist es das Unwort des diesjährigen Sommers? Auf jeden Fall ist es ein Reizwort. «Es gibt kein Horn-Verbot», insistiert beispielsweise Thomas Mühlethaler, Geschäftsführer der Bielersee Schifffahrtsgesellschaft (BSG). «Auch nicht auf dem Zürichsee.»

Gemeint ist die Mahnung des Bundesamts für Verkehr (BAV) an die Zürichsee Schifffahrtsgesellschaft (ZSG). Ein Anwohner hatte sich vor einigen Wochen beim BAV beschwert über die «unnötige Beschallung» der Schiffe im Bereich der Anlegestellen. Konkret ging es um das kurze «Aufmerksamkeits-Signal», wie es die ZSG nennt. Ein kurzer Ton wies die Boote und Schwimmer an, den Steg für ein sicheres An- und Ablegen freizumachen.

Das BAV wies die ZSG darauf auf die Anwendung der Schallsignale gemäss der Binnenschifffahrtsverordnung (BSV) hin. Dort steht ein kurzer Ton für die Warnung «Ich richte meinen Kurs nach Steuerbord» (siehe auch Infobox). Zudem sollen die Schallzeichen nur gegeben werden, «wenn es die Sicherheit der Schifffahrt und der übrigen Benützer des Gewässers gebietet».

Reaktionen im Seeland
Die ZSG teilte dann mit, dass sie in Zukunft auf das traditionelle, kurze Hornen beim An- und Ablegen der Schiffe verzichten werde, um Missverständnissen unter den Seebenutzern entgegenzuwirken. Eine Meldung, die nicht nur in Zürich hohe Wellen warf. Die einen fühlten mit dem vom Lärm geplagten Anwohner mit, andere verurteilten sein Handeln als «Bünzlitum». In Zürich selbst gingen die Proteste so weit, dass Personen, darunter eine 85-jährige Rentnerin, extra nah an die Schiffe heranschwammen, um das Hornen zu provozieren.

Auch im «Bieler Tagblatt» meldeten sich Leser zu Wort. Der Bieler René Wickihalder beschreibt in einem Leserbrief das Hornen der Schiffe als «extrem lästig». Bei Westwind höre sogar er die Schallzeichen der Schiffe, obwohl er einen Kilometer vom See entfernt wohne. Die Antwort folgte prompt. Er solle doch gleich den Kühen das Muhen, den Schafen das Blöken und den Vögeln das Zwitschern verbieten, meinte Christina Fritsch-Flück aus Mörigen. Wickihalder erfuhr aber auch Unterstützung. Wolfgang Janssen, der in Port direkt an der Aare wohnt, schrieb, er sei täglich dem «unerträglichen, überlauten, langen Schiffshupen» ausgesetzt. Er relativierte, dass er nicht grundsätzlich gegen das Hornen sei. «Aber bitte nicht so ein unnötiges, lautes Schiffsgehupe.»

Lautstärke ist festgelegt
Das BT konfrontierte BSG-Geschäftsführer Mühlethaler mit den Vorwürfen. Dieser entgegnet: «Wir halten uns an die gesetzlichen Vorgaben.»

Unnötig sei das Hornen mit Sicherheit nicht. Gerade weil es um Letzteres geht: die Sicherheit. Es gelte, Unfälle zu vermeiden, so Mühlethaler. «Besonders bei schlechter Sicht oder Wellengang ist es aus dem Steuerhaus unmöglich zu erkennen, was alles im Wasser schwimmt.» Das könne so weit gehen, dass ein Schwimmer mit einem «Taucherli» verwechselt werde. Gerade beim An- und Ablegen der Schiffe sei es deshalb wichtig, Boote sowie badende Personen auf sich aufmerksam zu machen.

Auch bezüglich Länge und Lautstärke der Schiffshorne verweist Mühlethaler auf die Gesetzgebung. In Artikel 33 des BSV ist festgehalten: «Ein kurzer Ton dauert etwa eine, ein langer Ton etwa vier Sekunden.» Wie laut das Schallzeichen sein soll, ist ebenfalls genau festgelegt. In Artikel 132 zur Mindestausrüstung steht: «Die (…) mechanischen oder elektrisch betriebenen Schallgeräte müssen (…) einen Schalldruckpegel erzeugen, der zwischen 120 und 130 dB liegt.» Deshalb sei es nicht möglich, leiser zu hupen. Wie es sich offenbar einige Personen wünschen. «Unsere Schiffshörner erfüllen die Vorschrift», so Mühlethaler.

Das Horn ertönt weiter
Dieselben Antworten gebe er jeweils, wenn sich Leute bei Mühlethaler über das Schiffshornen beklagen. Dies komme nur selten vor. In diesem Sommer seien nur zwei Reklamationen bis zu ihm gelangt. Auch in diesen wurden die Schallzeichen als unnötig und rücksichtslos bezeichnet. Er habe die Personen jeweils versucht, vom Gegenteil zu überzeugen. «Für uns gibt es punkto Sicherheit keine Kompromisse.»

Das ist auch das Credo der ZSG. Die Zürcher teilten mit, dass in Zukunft wohl mehr das vier Sekunden lange Warnsignal eingesetzt würde, «wenn bei der Anfahrt aus Sicht des Schiffsführers ein Sicherheitsrisiko besteht».


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