Biel ist das Ziel

Biel ist das Ziel

In sechs Monaten wird die U19-Europameisterschaft in der Schweiz eröffnet. Dabei verfolgt nicht nur das Team ein klares Ziel, sondern auch der Verband: Den Frauenfussball bekannter machen.
Das Frauen U19-Nationalteam ist gestern mit einer hohen Niederlage ins Jahr der Heim-Europameisterschaft gestartet. Beim Testspiel im portugiesischen Vila Real de San Antonio haben die Schweizer Juniorinnen gegen die U20 Chinas eine 0:5-Klatsche bezogen.

Ein suboptimaler Beginn der Kampagne – allerdings waren die Chinesinnen nicht nur mit einem älteren Jahrgang angetreten, der Schweizer Juniorinnen-Nati fehlte zudem das Stammpersonal. Einerseits sind die Teamleaderinnen Géraldine Reuteler und Alisha Lehmann mit dem A-Team unterwegs und absolvieren ein Trainingslager in Spanien. Andererseits mussten gleich neun Spielerinnen verletzt absagen.

«Aus Niederlagen lernt man am meisten», sagt Trainerin Nora Häuptle. Doch auch sie weiss: Bis zum EM-Startspiel am 18. Juli in Wohlen braucht es eine Leistungssteigerung. Im vergangenen Jahr konnte die U19 nur gerade zwei von insgesamt zwölf Länderspielen gewinnen. Das genügt den eigenen Ansprüchen nicht, die Schweizerinnen wollen an der Heim-EM nicht nur eine Nebenrolle spielen. «Wir wollen die Gruppenphase überstehen», sagt Häuptle. Oder anders ausgedrückt: Das Ziel ist Biel. Denn dort werden beide Halbfinals sowie das Endspiel ausgetragen (Details in Infobox).

Match in Biel, Bleibe in Bern

Die Tissot Arena war als Hauptaustragungsort der EM prädestiniert; seit ihrer Eröffnung 2015 werden regelmässig Länderspiele der Frauen-Nationalmannschaft ausgetragen. Das freut auch den Bieler Stadtpräsidenten Erich Fehr (SP). In einer Mitteilung lässt er verlauten: «Topmodern und familiär ist die Tissot Arena der ideale Austragungsort für ein Frauenfussballturnier.» Tatsächlich entspricht die Bieler Sportstätte als einziges der vier Stadien bereits jetzt allen UEFA-Normen. In den Stadien von Yverdon, Wohlen und Zug müssen bis im Sommer noch kleinere Anpassungen vorgenommen werden.

Welche Teams in Biel spielen werden ist indessen noch nicht bekannt. Die Qualifikationsrunden finden im April und Juni statt, sodass die Gruppenauslosung erst am 18. Juni durchgeführt werden kann. «Das ist hinsichtlich der Planung eine Herausforderung», sagt Projektleiter Damien Mollard. Die Spieldaten sind von der UEFA vorgegeben. «Aber die nehmen wir gerne an.» Fest steht bereits, dass die Nationalteams der Gruppe West (Biel und Yverdon) in Bern und die Nationalteams der Gruppe Ost (Wohlen und Zug) in Zug untergebracht werden.

Mädchen involvieren

Der Schweizer Fussball-Verband verfolgt an der Heim-Europameisterschaft ebenfalls ein klares Ziel: Er möchte den Frauenfussball populärer machen. Mit verschiedenen Aktionen soll besonders an den Spielorten Aufmerksamkeit generiert werden. Unter anderem werden die kürzlich aus dem Schweizer Nationalteam zurückgetretenen Spielerinnen Martina Moser und Caroline Abbé als Ambassadorinnen der EM Schulen besuchen und Trainings durchführen. Auch lokale Vereine werden in den kommenden Tagen orientiert und in die Planung miteinbezogen.

An den EM-Spielen werden mehrere Mädchen aus der Region als Einlaufkinder, Ballgirls oder Fahnenträgerinnen eingesetzt. Durch das Rahmenprogramm, die Schulbesuche sowie Wettbewerbe und Plauschturniere, hofft der Verband an den Spielorten tausende Mädchen für den Frauenfussball zu begeistern. Durchschnittlich sollen 500 Zuschauer pro Partie in die Stadien gelockt werden.

Das sind angesichts der Umstände ambitionierte Ziele. Nur drei Tage vor dem Eröffnungsspiel geht die Fussball-Weltmeisterschaft in Russland zu Ende. Gut möglich, dass danach sogar eingefleischte Fans etwas fussballmüde sind. Ausserdem sind im Juli Schulferien. «Das ist zwar in der Tat nicht ganz optimal, dafür haben die Kinder, die in den Schulferien zuhause bleiben auch wirklich frei », sagt Projektleiter Mollard. «Und während die WM in Russland einzig vor dem Fernseher stattfindet, wird die EM in Biel direkt vor der Haustür gefeiert.»

Referat zum Heimerfolg

Die wirksamste Publicity wäre wohl ein erfolgreiches Nationalteam. Wie man eine Heim-EM siegreich gestaltet, hat die niederländische Nationalequipe im vergangenen Sommer eindrücklich gezeigt. Das Team zählte im Vorfeld nicht zu den Favoritinnen, Trainerin Sarina Wiegman hatte die Equipe gar erst ein halbes Jahr vor dem Turnier übernommen. Dennoch schaffte sie es, die Niederlande zum überraschenden und vielumjubelten Titelgewinn zu führen.

Nora Häuptle war an der EM als SRF-Expertin hautnah dabei und zeigte sich beeindruckt von der «taktischen Meisterleistung» der Niederländerinnen. So liess es sich Häuptle auch nicht nehmen, an der UEFA Trainerkonferenz im November ein Referat Wiegmans zu besuchen. Das Thema war: Wie man eine Heim-EM gewinnt. Die zentralsten Erkenntnisse daraus? «Der Druck und die Erwartungen werden gross sein», so Häuptle. «Deshalb ist es wichtig, mit einem positiven Resultat in das Turnier zu starten und gleich im ersten Spiel zu punkten.»

Dann wäre es möglich, dass die U19 ihr Ziel, in der Bieler Tissot Arena zu spielen, erreicht.


Comments are closed.