Das Spiel seines Lebens

Das Spiel seines Lebens

Er startete eine Profikarriere, gab sie aber etwas später wieder auf. Ohne es zu forcieren, hat sich Nico Georgiadis zu einer festen Grösse im Schweizer Schach entwickelt. Nun trifft er in Biel auf den Weltmeister.

Er denke noch nicht an Biel, sagt Nico Georgiadis. Sein Fokus gelte der Schweizer Meisterschaft, bei der der 22-Jährige noch bis heute im Einsatz steht. Wird er jedoch auf jedoch auf seine Gegner beim Bieler Schachfestival angesprochen, so gerät Georgiadis ins Schwärmen. Dabei sticht ein Name hervor: Magnus Carlsen. Der 27-jährige Norweger errang vor 14 Jahren den Titel eines Grossmeisters, ist seit fünf Jahren Schachweltmeister und in dieser Sportart schlicht das Mass aller Dinge. «Er schafft es, ein scheinbar ausgeglichenes Spiel innert wenigen Zügen zu seinen Gunsten zu drehen», sagt Georgiadis. Dies erreiche Carlsen quasi unbemerkt. Der Gegner wisse nicht wie ihm geschehe. «Sein Stellungsspiel ist schlicht unerreicht. Er weiss einfach, auf welchen Positionen seine Figuren das Beste ausrichten können.»

Nico Georgiadis erzählt mit ehrfürchtiger Vorfreude. Dass der Schwyzer am Schachfestival in Biel gegen Magnus Carlsen spielen wird, ist der Höhepunkt seiner Laufbahn, das Spiel seines Lebens.

So gut wie noch nie

Wer seinen Ausführungen zuhört, kommt zum Schluss, dass Georgiadis mit seinen Gedanken doch bereits, oder zumindest ein wenig, im Bieler Kongresshaus war und ist. Sein Ziel, Schweizer Meister zu werden, wird er in diesem Jahr auf jeden Fall nicht erreichen.

Trotzdem kann Georgiadis von sich behaupten, so gut zu spielen wie noch nie. Bereits vor einem Jahr überzeugte er am Schachfestival in Biel, indem er bis zum letzten Tag um den Sieg im Grossmeister-Turnier mitspielte. Seither hat er nochmals mehr in sein Training investiert. Seine Elo-Zahl, ein Punktesystem, das die Stärke eines Schachspielers wiedergibt, ist nahe an seinem persönlichen Bestwert.

Dabei gönnte sich Nico Georgiadis wiederholt Pausen vom Schach. Während des Semesters konzentrierte sich der Publizistikstudent einzig auf seine Ausbildung. Dies war erst nicht so. Nachdem er das Gymnasium abgeschlossen hatte, lebte Georgiadis eine Weile als Schachprofi. Er, der schon früh von verschiedenen Medien als «Schach-Wunderkind» bezeichnet wurde, gab sich zwei Jahre lang Zeit, den Grossmeister zu erreichen – der höchste Titel, der vom Weltschachbund verliehen wird.

Wäre ihm dies gelungen, wäre er der jüngste Grossmeister der Schweizer Schachgeschichte geworden. Doch der Konjunktiv verrät: Trotz vielen Übungseinheiten mit Trainern, die zu den besten Schachspielern der Welt gehörten, erreichte er nicht alle drei Normen, die für den Grossmeistertitel nötig sind – Ziel verpasst.

Ab Spätherbst beim «SRF»

Statt nun mit allen Mitteln die Punkte zu erzwingen, die ihm noch fehlten, zog Nico Georgiadis einen Schlussstrich. Ein konsequenter Entscheid, denn für ihn war klar, dass er nicht sein ganzes Leben dem Schachsport widmen wollte.

Anders als beispielsweise der gleichaltrige Noël Studer, der sich für eine Profikarriere entschied, kehrte Georgiadis dem Brettspiel den Rücken und begann sein Studium. Freilich hatte er nicht vor, sich komplett vom Schach abzuwenden. Doch die Pause tat ihm offensichtlich gut. Seinem Hobby widmete er sich zwar nur noch in seinen Semesterferien, seinen Leistungen tat dies jedoch keinen Einbruch. Anfang Juli des vergangenen Jahres übersprang er die für den Grossmeister-Titel nötige 2500-Elo-Hürde – zweieinhalb Monate nach Noël Studer.

Ziele habe er immer noch, sagt Nico Georgiadis. «Vielleicht wird irgendwann die 2600-Elo-Marke ein Thema. Das ist jedoch ein ‹Darf›, nicht ein ‹Muss›.» Den Schachsport wird er weiter als Ergänzung betreiben.

Ab November liegt Georgiadis’ Fokus ganz auf seinem Praktikum beim «SRF». Er wird fortan für die Sendung «Glanz & Gloria» tätig sein, in der er auch schon porträtiert wurde. Der Schwyzer weiss: «Sobald ich die Arbeit beginne, werde ich weniger Zeit für Schach haben.» Aus der Szene verschwinden, werde er aber nicht. Georgiadis hat schliesslich bereits bewiesen, dass er auch nach Pausen (oder gerade deswegen?) auf höchstem Niveau weiterspielen kann.


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