Die Unaufsteigbaren

Die Unaufsteigbaren

Sieben Spiele, sieben Siege. Der FC Madretsch ist unangefochtener Gruppenleader und derzeit kaum zu stoppen. Trotzdem steht bereits fest: Aufsteigen wird er nicht.

Marc Bönzli fühlt sich an seine Trainerzeit beim FC Madretsch zurückerinnert. Drei Jahre ist es her, da lag sein Team nach sieben Spieltagen ebenfalls ungeschlagen an der Spitze der 3.-Liga-Gruppe. Das BT besuchte Bönzli damals in einem Training und er sagte, dass er mit Madretsch aufsteigen wolle.

Seither ist einiges passiert. Madretsch hat die Promotion verpasst und Bönzli ist mittlerweile Trainer beim Zweitligisten Nidau. Mit Madretsch, seinem Herzensverein, verbindet ihn aber noch viel. Der 29-Jährige ist einerseits Sportchef des Vereins, andererseits spielt er für die erste Mannschaft als Innenverteidiger. Den derzeitigen Erfolg in der 3. Liga erlebt er also hautnah.

Doch obwohl er auch in diesem Jahr das Gefühl hat, Madretsch verfüge über das beste Team der Gruppe, ist der Aufstieg kein Thema. Denn dieser ist für den FC Madretsch gar nicht realisierbar. Der Grund liegt in einer Bestimmung des Fussballverbands Bern/Jura (FVBJ). Diese besagt, dass jedes aufstiegswillige Team der 3. Liga mindestens ein Juniorenteam der Kategorien A bis D gemeldet haben muss. Ein Team oder mindestens 20 Junioren, die in einer Gruppierung spielen. Dies ist beim FC Madretsch nicht der Fall.

Fall Sloga führte zu Änderung
Diese Vorgabe hat seinen Ursprung im Artikel «allgemeine Pflicht zur Juniorenförderung», der der Schweizerische Fussballverband im Wettspielreglement formuliert hat. Früher gab der FVBJ den Teams die Möglichkeit, ein Juniorenteam im Verlauf der Saison nachzumelden. Dies hat sich auf diese Spielzeit hin geändert. Neu muss ein Verein, der Ambitionen auf die 2. Liga hat, die Junioren bereits zu Beginn der Saison gemeldet haben.

Wie der Verband bestätigt, ist diese Änderung ist nicht zuletzt wegen den negativen Erfahrungen mit einem Bieler Verein vollzogen worden. Der FK Sloga hatte, um die 2.-Liga-Saison bestreiten zu können, kurzfristig ein Juniorenteam aufgestellt. Weil keine seriösen Strukturen dahinter steckten, löste sich dieses wieder auf und das Faninoteam stand vor der Zwangsrelegation. Entsprechend nachlässig nahm Sloga, das sich ohnehin auf Abstiegskurs befand, die restlichen Spiele in Angriff; die Liga wurde verfälscht. In der Folgesaison zog sich der Verein sogar komplett zurück. Deshalb hat der FVBJ beschlossen, 3.-Liga-Teams nur noch für die Aufstiegsspiele zuzulassen, sofern diese die geforderten 2.-Liga-Bestimmungen bereits erfüllen.

Zusammenarbeit schlug fehl
Bleibt die Frage, warum ein Traditionsverein wie der FC Madretsch keine Juniorenteams der geforderten Altersstufe hat.

Als Quartierklub habe der FC Madretsch schon immer eher wenige Junioren in seinen Reihen gehabt, sagt Marc Bönzli. Über mehrere Jahre arbeitete der Verein deshalb mit anderen Klubs zusammen. Madretsch bildete zusammen mit Port, Nidau und Ipsach (FC Grünstern) eine Junioren-Gruppierung. Diese fiel jedoch auseinander, weil nicht alle Vereine den Nutzen dahinter sahen. Unter anderem ging es darum, dass ins Aktivalter gelangte Junioren teils für einen anderen Klub spielten als für denjenigen, bei dem sie begonnen hatten.

Darauf bildete Madretsch zusammen mit den Bieler Klubs Etoile und Aurore Nachwuchsteams. Diese Kooperation ging jedoch auch in die Brüche. «Alleine fehlten uns genügend Junioren, um ein Team zu stellen», so Bönzli. Deshalb hat der Verein zuletzt komplett darauf verzichtet.

Niemals 2. Liga?
«Als Spieler ist es natürlich bitter, nicht aufsteigen zu können», so Bönzli. Als Sportchef bereue er es jedoch nicht, im Vorfeld der Saison keine Versuche unternommen zu haben, eine Juniorenmannschaft der Kategorie A bis D zu melden. «Wir sind daran, etwas aufzubauen», sagt Marc Bönzli. Sein Vater Paul, einst langjähriger Trainer der ersten Mannschaft, bekleidet neu das Amt des Juniorenobmanns. Derzeit stehen beim FC Madretsch ein G- (bis und mit 6-Jährige) und ein F-Juniorenteam (7- bis 8-Jährige) im Einsatz.

Diese sind freilich noch einige Jahre von der D-Stufe entfernt. Etwas überhasten wolle er jedoch nicht, sagt Bönzli. «In Anbetracht unserer Vereinsstrukturen muss ich sagen, dass wir besser noch eine Weile in der 3. Liga spielen, als ein Abenteuer in der 2. Liga zu wagen.» Dabei verweist Bönzli auf den FC Schüpfen, der in der letzten Saison chancenlos blieb und aktuell auf den FC Aurore, der sich nach dem Aufstieg in der 2. Liga schwer tut.

Egal wie stark die Saison des FC Madretsch also noch sein wird, sie wird nicht mit einer rauschenden Aufstiegsparty enden. Die Gefahr, dass ambitionierte Spieler den Klub verlassen könnten, um sich den Traum der 2. Liga zu erfüllen, nimmt die Vereinsleitung in Kauf.

Für die bisher abgeschlagen hinter Madretsch liegenden Equipen ist das eine gute Nachricht. Weil der Bieler Quartierverein von einer allfälligen Aufstiegsbarrage ausgeschlossen wäre, würde das zweitplatzierte Team der Gruppe nachrücken.


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