Im Wiederaufbau

Im Wiederaufbau

Um den Frauenhandball im Seeland ist es ruhig geworden. Die zwei Teams der PSG Lyss spielen in der schwächsten Liga, der HS Biel stellt sogar seit zwei Spielzeiten keine Frauenequipe mehr. Beide Vereine geloben Besserung.

Es ist eine spezielle Situation für den HS Biel: Einerseits behauptet sich das Männerteam nach dem Aufstieg im Sommer erfolgreich in der NLB, andererseits konnten nun bereits die zweite Saison in Folge nicht genug Frauen gefunden werden, um überhaupt eine Equipe zu bilden.

Noch im Frühling 2015 holte sich das Bieler Frauenteam in der 2. Liga den Qualifikationssieg, ein Jahr später existiert es nicht mehr. Für den Rückzug seien mehrere Faktoren verantwortlich gewesen, sagt Lukas Béguelin, NLB-Spieler und Vorstandsmitglied des HS Biel. Ein wichtiger war, dass das beliebte Trainertrio um Donato Cermusoni, Rolf Gyger und Urs Reinhardt hatte durchblicken lassen, ihre Ämter in der Folgesaison nicht weiterzuführen. Einige Spielerinnen nahmen dies zum Anlass, die Sportschuhe ebenfalls an den Nagel zu hängen. Andere hörten aus beruflichen oder privaten Gründen auf. Übrig blieben nur noch wenige – zu wenige, als dass ein Spielbetrieb möglich gewesen wäre. Die einen wechselten darauf zu einem neuen Verein, den anderen war der Aufwand zu gross.

Lyss noch ungeschlagen

Eine, die den Handball nicht aufgeben wollte, ist Céline Franz. Die 19-Jährige spielt seither beim PSG Lyss. «Es war schon schade», sagt sie auf die Teamauflösung Biels angesprochen. «Wir waren eine starke Equipe.» Lyss hat im Gegensatz zu Biel zwar genug Personal, was den Erfolg jedoch nicht garantiert. In ihrer ersten Saison mit dem neuen Verein stieg Franz in die 3. Liga ab. Womit die Pfadisportgruppe heuer gleich doppelt in der schwächsten Liga vertreten ist.

Immerhin: Aktuell ist das Frauenteam um Trainer Swen Huber auf Kurs in Richtung direkten Wiederaufstieg. Die Seeländerinnen dominieren ihre Sechsergruppe nach Belieben und kamen in den bisher acht Spielen nicht ansatzweise an den Rand eines Punktverlusts. Weil aber aus den insgesamt 13 Gruppen in der 3. Liga nur sechs Teams aufsteigen, kann die Feier noch nicht fest eingeplant werden. Céline Franz, die zweitbeste Skorerin, ist sich aber sicher, dass die Promotion möglich ist.

Coach Swen Huber geht sogar noch weiter: «Das langfristige Ziel ist ein Frauenteam in der 1. Liga zu stellen.» Dies will der Verein bis 2022 erreichen, indem er weiter den weiblichen Nachwuchs fördert. Dabei verweist Huber unter anderem auf die U18-Juniorinnen, die in ihrer Promotionsgruppe Jahr für Jahr um die vorderen Tabellenplätze mitspielen.

Céline Franz bestätigt, dass sie in Lyss viele Trainingsmöglichkeiten vorfinde. Zusätzlich zu den Übungseinheiten der beiden Frauenteams gibt es ein Fördertraining mit dem Trainer des 1.-Liga-Männerteams. Dennoch stünde sie einer Rückkehr nach Biel nicht abgeneigt gegenüber, sollte dort wieder ein Team entstehen. Einerseits sind ihr die Erfahrungen beim HS in bester Erinnerungen geblieben. «Andererseits wäre der Weg in die Trainings halt erheblich kürzer», so ihre Begründung.

Neues Juniorinnenteam in Sicht

Mit dem Frauennachwuchs sei es in Biel so eine Sache, sagt Béguelin. Mädchen und Buben, die sich für Handball interessieren, beginnen meist bei den «BallKidz»: ein polysportives Angebot des HS Biel in Zusammenarbeit mit der Stadt. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf den Sportarten Handball und Volleyball. «Zuletzt zeigte sich oft, das Buben eher im Handball und Mädchen eher im Volleyball weitermachen», so der Bieler.

Dem will der Verein entgegenwirken. Béguelin schwebt beispielsweise vor, ehemalige Spielerinnen als Trainerinnen wiederzugewinnen. «Sie könnten als Vorbild für die Mädchen wirken.» Was bisher fehle, sei jemand, der sich dem Anliegen voll und ganz widmen könne. Im Vorstand gibt es derzeit keine Person, die für den Breitensport verantwortlich ist.

Trotzdem blickt er mit einer Portion Zuversicht in die Zukunft. Seit kurzem haben in Biel mehrere Mädchen eine Trainingsgruppe gebildet. Möglich, dass der HS Biel in der nächsten Saison ein U16-Juniorinnen-Equipe auf die Beine stellt. «Ich hoffe, dass wir ein Team bilden können», sagt Béguelin. Daraus, so malt er sich aus, könnte eine Frauenequipe entstehen, das einige ehemalige Spielerinnen zu einer Rückkehr bewegen könnte. Den Lyssern also Personal abjagen? «Nun ja, letztlich ist und bleibt die PSG Lyss ein Konkurrenzverein.»

Der Frauenhandball im Seeland befindet sich im Wiederaufbau. Dass dieser gelinge, sei wichtig, bekräftigt Béguelin. «Die Teamauflösung vor eineinhalb Jahren war ein herber Verlust für den Verein.» Sie habe nicht nur bei der Gestaltung und Organisation von Vereinsanlässen eine Lücke hinterlassen. «Der Klub hat Vielfalt verloren.»


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