In Solothurn wieder aufgeblüht

In Solothurn wieder aufgeblüht

Loïc Chatton hat als bester Torschütze grossen Anteil am Erfolg des FC Solothurn in der 1. Liga. Seine Leistungen wecken Begehrlichkeiten. Der FC Biel würde sein Eigengewächs gerne zurückholen.

Loïc Chatton ist oft in der Bieler Tissot Arena. Fast jeden Mittag verbringt er dort im Fitnessraum. Da er in einer Uhrenfirma unweit des Komplexes arbeitet, verliert er auf Hin- und Rückweg nicht viel Zeit. Das Mittagessen nimmt er im Büro zu sich. «Meist etwas Kleines wie einen Salat», sagt Chatton. Er esse am Mittag nie viel. Braucht es die Krafteinheiten über den Mittag, wenn abends das Fussballtraining stattfindet? Ist es eine Gewohnheit, die aus seiner Zeit als Profi geblieben ist? «Das mache ich nur für mich. Ich fühle mich einfach besser, wenn ich im Fitness war.»

Chatton lebt seit fünf Jahren in Biel. Damals, im Jahr 2013, wechselte er vom Super-League-Klub Sion zu Neuchâtel Xamax. Das Team spielte nach dem Konkurs ein Jahr zuvor in der 1. Liga. Mit den ambitionierten Neuenburgern kehrte Chatton in die zweithöchste Schweizer Liga zurück, dort kam er jedoch selten zum Einsatz. Erst fiel er nach einer Knie-Operation lange aus, dann setzte der Trainer nicht mehr auf ihn. Als 25-Jähriger beendete Chatton seine Profikarriere.

Mehr Sorgen als Freude

Dabei hatte sie vielversprechend begonnen. Mit 17 Jahren schaffte er nahtlos den Übergang von der Bieler Jugendmannschaft zum Fanionteam. Nur zwei Jahre später klopfte der FC Sion an. Die Walliser boten ihm einen Fünf-Jahre-Vertrag an. «Da hat sich ein Traum für mich erfüllt», erinnert sich Chatton. Bei Sion musste er sich jedoch vermehrt mit Teileinsätzen begnügen. Es folgte eine Leihe nach Lugano, wo er sich nach gutem Start ebenfalls auf der Ersatzbank wiederfand. Die Zeit im Profifussball bereitete Chatton zunehmend mehr Sorgen als Freude.

Dazu kommt, dass Chattons Rücken ihn wiederholt ausser Gefecht setzte. Er hat ein chronisches Bandscheibenproblem, das ihm Schmerzen verursacht. Er geht deswegen in die Physiotherapie und erhält alle sechs Monate eine Spritze. Sprints, abrupte Stopps und Luftsprünge, wie es im Fussball etliche gibt, sind potenzielle Auslöser für die Schmerzen. Aufhören kam für Chatton aber nie in Frage. «Fussball ist mein Leben.» Und seit dem Wechsel zu Solothurn ist Chatton nochmals aufgeblüht.

Beim 1.-Liga-Klub gehört der Bieler zu den gesetzten Leistungsträgern, er spürt das Vertrauen der Spieler und des Trainerstaffs. «Etwas Besseres gibt es für einen Fussballer nicht.» Beim FC Solothurn werde er auch nie unter Druck gesetzt, wenn er mal verletzt ausfalle. «Das war früher nicht so. Da wurde ich immer gefragt, wann ich endlich wieder spielen kann.» Mit seiner Profi-Karriere hat Chatton deshalb abgeschlossen. Die wöchentlich vier Trainings bei Solothurn und das 80-Prozent-Pensum in der Uhrenfirma passe für ihn perfekt.

Zwei Gesichter

Chatton ist ein typischer Strafraumstürmer: «Ich laufe nicht viel, dafür laufe ich intelligent», sagt der 27-Jährige. Er weiss, in welchen Momenten er seinen Gegenspieler abschütteln kann. Er weiss, wo er stehen muss, um Torchancen zu kreieren. Läuft es ihm oder seinem Team jedoch nicht, verschafft Chatton seinem Ärger auch mal lautstark Luft. «Das mache ich nur, um ein Zeichen zu setzen. Ich will meine Mitspieler wachrütteln und ihnen zeigen, dass es so nicht weitergeht.» Eigentlich sei er sonst ein ganz ruhiger Typ. Einer, der gerne mit seiner Freundin und dem Hund einen Spaziergang macht. Einer, der einmal pro Woche ins bernjurassische Dorf Corgémont fährt, um gemeinsam mit seiner Familie zu essen. Auf dem Rasen müsse er aber hin und wieder ein anderes Gesicht zeigen. «Von mir wird erwartet, dass ich Impulse ins Team bringe.»

Mit 14 Treffern führt Chatton die Torschützenliste an. Er hat damit wesentlich zu der fast perfekten Vorrunde der Solothurner beigetragen. 14 Spiele, 13 Siege, 1 Unentschieden. Auf den ersten Verfolger Buochs weist das Team einen Vorsprung von elf Zählern auf. «Wir haben wirklich sehr gut gespielt», sagt Chatton und fügt relativierend an, dass im einen oder anderen Spiel auch etwas Glück dabei gewesen sei.

Verbundenheit zum FC Biel

Während des Gesprächs sitzt Chatton meistens mit leicht nach vorne gebeugtem Oberkörper dem Autor gegenüber, die Arme auf dem Tisch abgestützt. Doch als es um seine Zukunft geht, nimmt er die Arme vom Tisch weg und richtet sich gerade hin. Als ob er sich vorbereitet, der Frage auszuweichen.

Gute Leistungen wecken bekanntlich Begehrlichkeiten. Mehrere Klubs haben ihr Interesse bei ihm deponiert. Dass auch der FC Biel sein Jugendgewächs gerne zurückholen möchte, ist kein Geheimnis. «Ich habe ihn schon oft kontaktiert», sagt Biel-Sportchef Arturo Albanese. Auch der FC Solothurn wisse um das Bemühen der Bieler. Bis jetzt konnte Chatton jedoch nicht von einer Rückkehr überzeugt werden. Bei der Bieler Klubleitung hofft man, dass Chatton seine Meinung noch ändert – nicht zuletzt weil Biel in der nächsten Saison ebenfalls in der 1. Liga spielen dürfte.

Chatton ist bereits als U12-Assistenztrainer bei Biel engagiert und er räumt ein, dass ihn mit dem Klub viel verbinde. «Aber ich fühle mich sehr wohl beim FC Solothurn.» Mit seinen Mitspielern, einige kennt er bereits seit Juniorenzeiten, versteht sich Chatton gut. Von Trainer Dariusz Skrzypczak habe er nicht nur taktisch viel gelernt, sondern auch im zwischenmenschlichen Umgang. Und mit dem ehemaligen Biel- und kurzzeitigen Nationaltrainer Hans-Peter «Bidu» Zaugg steht dem Klub ein erfahrener Sportchef zur Seite. Nicht zuletzt werde er in Solothurn auch finanziell «recht gut» entschädigt.

Abgangswillig wirkt Chatton nicht. Gut möglich, dass sich die Klubleitung des FC Biel noch etwas wird gedulden müssen, bis Loïc Chatton wieder in den Bieler Farben auf dem Rasen der Tissot Arena aufläuft.


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