Mit Ködern Velodiebe überlisten

Mit Ködern Velodiebe überlisten

Fahrraddiebstähle kommen besonders in Biel häufig vor und werden kaum aufgeklärt. Dem möchte der Grossrat Philippe Messerli (EVP) entgegenwirken. Mit GPS ausgestattete Ködervelos sollen die Kantonspolizei auf die richtige Spur führen.

Fahrraddiebstähle sind für Betroffene ein Ärgernis. Neben dem eigentlichen Verlust erwartet sie ein grosser administrativer Aufwand. Wer Geld von der Versicherung will, muss den Diebstahl zwingend bei der Polizei melden. Dass das Fahrrad nach der Anzeige gefunden werden könnte, ist jedoch unwahrscheinlich. Ein Velodieb muss in der Schweiz kaum fürchten, von der Polizei geschnappt zu werden. Im letzten Jahr wurden schweizweit nur 1,7 Prozent aller Velodiebstähle aufgeklärt. Mit 1,8 Prozent liegt der Kanton Bern nur knapp über dieser Quote. Im Städtevergleich zeigt sich, dass Biel und Bern zu den Hotspots für Fahrraddiebe gehören. In beiden Städten haben im letzten Jahr auf 1000 Einwohner je etwa zwölf Personen einen Diebstahl gemeldet (vgl. Infobox). Die Dunkelziffer dürfte um einiges höher liegen.

Aus Sicht des Nidauer EVP-Grossrats Philippe Messerli besteht Handlungsbedarf. Vor allem in Biel sei die Situation «ganz schlimm». Anfang Juli forderte er deshalb mit einem Vorstoss, dass der Regierungsrat Massnahmen zur Steigerung der Aufklärungsquote von Velodiebstählen ergreift. Konkret soll die Berner Regierung prüfen, ob die Kantonspolizei versuchsweise mit GPS-Sendern ausgestattete Ködervelos einsetzen könnte. Diese würden in Gegenden platziert, an denen bekanntermassen häufig Fahrräder gestohlen werden. Messerli hofft, dass so zum einen vermehrt Diebstähle aufgeklärt und vielleicht sogar kriminellen Banden das Handwerk gelegt werden könnte.

Die Niederlande als Vorbild

Der Unmut eines kürzlich Betroffenen? Messerli widerspricht. Er selbst sei nie Opfer eines Diebstahls geworden. Und seit seiner Frau das Fahrrad abhanden kam, sind auch schon wieder drei Jahre vergangen.

Die Idee kam dem Seeländer, nachdem er einen Bericht aus den Niederlanden gelesen hatte. Dort wird diese Methode seit einigen Jahren angewendet. 2015 wurden 300 Fahrräder mit einem GPS-Sender an verschiedene Abstellplätze gestellt. Das führte letztlich zu rund 1000 Festnahmen. Obwohl im «Veloland» Niederlanden jährlich schätzungsweise 300000 Fahrräder den Besitzer wechseln, sei die Kampagne ein Erfolg, sagte der Verantwortliche Titus Visser gegenüber einem niederländischen Newsportal. Denn viele der Diebe seien Mehrfachtäter gewesen. Ausserdem hatte die Aktion eine präventive Wirkung. An den Orten mit den von der Polizei platzierten Ködervelos seien die Diebstähle massiv zurückgegangen.

Messerli kann sich einen ähnlichen Erfolg im Kanton Bern vorstellen. Bis anhin habe der Polizei schlicht die Mittel gefehlt. Das soll sich nun ändern. «Denn ein Velodiebstahl», so hält er fest, «ist kein Kavaliersdelikt.»

Basler Regierung lehnte ab

Ein ähnlicher Antrag wurde 2016 im Grossen Rat von Basel formuliert. Der Kanton beziehungsweise die Stadt, die laut Auswertungen der polizeilichen Kriminalstatistik am meisten von Velodiebstählen betroffen ist. Dennoch antwortete die Basler Regierung negativ auf den Vorstoss. Ein Velotracking sei «unverhältnismässig». Dabei wird auf strafrechtliche Finessen hingewiesen. So wird die Entwendung einesVelos von einem Velodiebstahl unterschieden. Wird ein Fahrrad einzig für den Weg von A nach B gebraucht, stellt dies lediglich eine Übertretung des Strassenverkehrsgesetzes dar. Dies würde mit einer Busse bestraft.

Bei der Qualifizierung als Velodiebstahl muss bewiesen werden, dass der Täter mit Aneignungs- und Bereicherungsabsicht handelte. Also dass er das Fahrrad dauerhaft nutzen wollte. Dies sei schwierig nachzuweisen. Oft würden die Täter schlicht behaupten, sich des Velos nur kurzfristig behändigt zu haben. Dies wird wie bereits erwähnt nur als Übertretung eingestuft. Die Rechtsgrundlage für eine Überwachung sei demnach nicht gegeben.

Schwelle für Diebe erhöhen

Weiter sei aus Sicht der Basler Regierung nicht ersichtlich, «weshalb einzig bei den Velos besondere technische Massnahmen zur Sicherung des privaten Eigentums durch den Staat zur Verfügung gestellt werden sollen». Dafür würden dem kantonalen Polizeikorps nicht zuletzt die personellen Ressourcen fehlen. Die Verantwortung liege bei den Eigentümern.

Den Gedankengang kann Messerli nur bedingt nachvollziehen. «Die Polizei hat die Aufgabe, auch privates Eigentum zu schützen.» Bezüglich der offenbar fehlenden rechtlichen Grundlagen hofft er, dass diese vom Kanton geschaffen werden. In Lausanne, wo seit letztem Sommer ein Pilotprojekt mit Veloködern läuft, sei dies auch möglich gewesen. Die Auswertungen der Waadtländer Polizei stehen derweil noch aus. Messerli geht es jedoch in erster Linie darum, die Schwellen für Diebe zu erhöhen. Denn bisher hätten diese leichtes Spiel.

Der Antrag im Basler Grossrat wurde zwar von Politikern von links bis rechts unterzeichnet, bei der Sitzung wurde er aber mit 71 zu 15 Stimmen abgeschrieben. Messerlis Postulat wurde erst parteiintern diskutiert. Dort habe er viel Unterstützung erfahren. Den Austausch mit Politikern anderer Parteien werde er suchen, sobald sein Antrag zur Abstimmung käme.

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Velodiebstahl 2016 in verschiedenen Städten

Häufigkeit von Fahrraddiebstahl pro 1000 Einwohner:
Basel         15,0
Biel         11,9
Bern         11,8
Chur          9,1
Genf          8,7
Thun          8,6
Winterthur      7,8
Luzern          7,7
Zürich          7,0
Neuenburg      6,7
Im letzten Jahr wurden in der Schweiz 35 860 Velos gestohlen. 5725 davon im Kanton Bern.
Quelle: BFS, Polizeiliche Kriminalstatistik 2016


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