Olympia aus der Ferne: Ein Diplom – wen interessierts?

Olympia aus der Ferne: Ein Diplom – wen interessierts?

An Olympischen Spielen zählt nur eine Medaille: Was viel zitiert wird, kann so falsch nicht sein. Das zeigte sich gestern besonders im Langlauf und im Biathlon.

Nathalie von Siebenthal, Benjamin Weger (beide 6.) und Elisa Gasparin (8.) haben alle ein olympisches Diplom gewonnen. Doch was ist schon eine schriftliche Auszeichnung im Vergleich zu Edelmetall? Darüber freuen mochte sich auf jeden Fall kaum jemand aus dem Trio. Während Weger und Gasparin mit ihren Fehlschüssen haderten, schien sich von Siebenthal vollends ins Jammertal verkrochen zu haben. Zwischenzeitlich auf dem zweiten Rang gelegen, hatte die Berner Oberländerin auf den grossen Coup gehofft. Doch dann kamen sie: Die Maschinen, wie sie von Siebenthal mit verbittertem Ton bezeichnete, die die 24-Jährige vom Podest verdrängten. «Da fragt man sich schon: Was machen wir eigentlich hier?»

Der Frust machte nicht einmal vor Medaillengewinnern Halt. Nach den Curlern Jenny Perret und Martin Rios, die in den ersten Momenten keinen Hehl daraus machten, wie sehr sie die Finalniederlage fuchste, sorgte Beat Feuz gestern für den zweiten Schweizer Medaillengewinn. Doch auch der Abfahrtsspezialist brauchte Zeit, bis er sich über den dritten Rang freuen konnte. «Es wäre schön gewesen, hätte es für den Platz ganz vorne gereicht», sagte er gleich nach dem Rennen. Bemüht, nicht als Miesepeter dazustehen, fügte er an: «Aber mit der Bronzemedaille kann ich heute auch gut schlafen.»

Den Wettkampf in allen Ehren, aber war da nicht mal so etwas wie ein olympischer Gedanke? Das «dabei sein ist alles», das zwar Pierre de Coubertin zugeschrieben wird, dieser allerdings so nicht gesagt hat (tatsächlich sagte der IOC-Gründer: «Das Wichtigste bei den Olympischen Spielen ist nicht zu gewinnen, sondern daran teilzunehmen»). Klar ist es etwas illusorisch, in unserer Leistungsgesellschaft an solche Ideale zu appellieren. Zumal die Verbände zu Beginn der Spiele genau festlegen, wie viele Medaillen gewonnen werden sollen. Dennoch täte es wohl allen Sportlern gut, ihre Leistungen nicht zu verbissen zu betrachten. Denn für einige wird es die einzige Teilnahme an Olympischen Spielen bleiben. Andere müssen immerhin wieder vier Jahre darauf warten, in denen sie noch oft genug mit allfälligen verpassten Chancen hadern können.

Richtig erfrischend war deshalb die Reaktion von Lara Gut auf ihr Rennen, das gerade mal 15 Sekunden dauerte. Ausgerechnet die 26-jährige Skifahrerin, die auch schon durch launische Kommentare aufgefallen ist, nahm ihr Scheitern mit Humor. «Ich wusste, dass ich alles riskieren muss und dann klappt es vielleicht. Es hat geklappt, aber nur bis zur ersten Zwischenzeit.» Sie werde für den nächsten Riesenslalom die Lehren daraus ziehen. «Ich suche das Positive, denn auf dem Negativen kann man nicht viel aufbauen.»


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