Olympia aus der Ferne: Zeit für die Revanche

Olympia aus der Ferne: Zeit für die Revanche

Sind die kanadischen Fahnen heute auf halbmast gesetzt? Das wohl nicht, aber die gestrigen Niederlagen dürften für die stolze Wintersport-Nation nur schwer zu verdauen sein.

Die Eishockey-Frauen verloren den Final gegen die USA – dies nachdem die Kanadierinnen die vier letzten Olympia-Turniere allesamt für sich entschieden haben. Nun es gilt zu relativieren, dass die Amerikanerinnen schon vor vier Jahren nahe an einem Erfolg waren. Damals führten sie vier Minuten vor Schluss 2:0 und küssten in ihren Gedanken wohl bereits die goldenen Medaillen. Die Kanadierinnen rappelten sich jedoch auf, erzielten in der regulären Spielzeit innerhalb von zweieinhalb Minuten zwei Treffer und einen weiteren in der Overtime. Ganz unerwartet kam die gestrige Penaltyniederlage Kanadas also nicht.

Viel überraschender war die Pleite im Curling-Halbfinal – wiederum gegen die USA. Die schmerzt so richtig. Dazu muss man wissen: Kanada ist die Curling-Nation schlechthin. Rund eine Million Menschen in Kanada sind registrierte Curler, es gibt sogar spezielle Eisstadien nur für Curling-Wettbewerbe. Diese Begeisterung der Kanadier wird nicht selten aufs Korn genommen – vor allem vom «grossen Bruder» USA. Dass nun ausgerechnet die Amerikaner dafür sorgen, dass die kanadischen Curler zum ersten Mal seit 2002 (Norwegen) nicht als Olympia-Sieger vom Eis gehen, ist eine Schmach sondergleichen. Da ist die Pleite unserer Eishockey-Nati gegen Deutschland nichts dagegen. Erinnern Sie sich noch, wie Fussballzwerg Griechenland 2004 den EM-Final in Portugal gegen Portugal gewann? Etwa so wie sich die Portugiesen am Tag danach fühlten, müssen sich heute auch die Kanadier fühlen.

Bereits das Frauenteam Kanadas hat enttäuscht. Fünf Niederlagen in neun Partien waren zu viel: Die Curlerinnen qualifizierten sich nicht einmal für die Halbfinals. Die Curling-Nation wankt wie ein angeschlagener Boxer. Nun gilt es, die Gunst der Stunde zu nutzen. Heute Morgen um 7.35 Uhr spielen die Schweizer Curler gegen die im Stolz verletzten Kanadier um Olympia-Bronze. Es braucht nur einen weiteren «Zauberstein» von Benoît Schwarz wie gestern gegen die Briten und das Knockout der Kanadier wäre besiegelt. In diesem Fall würde die Regierung wohl tatsächlich darüber nachdenken, die Fahnen auf halbmast zu setzen. Denn, dass die kanadischen Curler an Olympischen Spielen sogar leer ausgehen, gab es seit der offiziellen Aufnahme ins olympische Programm (1998) noch gar nie. Weder bei den Frauen noch bei den Männern. Ein weiteres Zückerchen für uns Schweizer: Der Bronzeerfolg wäre die Revanche für die deutliche Finalniederlage des Mixed-Doubles-Teams mit der Seeländerin Jenny Perret.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich habe absolut nichts gegen den grossen weissen Norden. Trösten könnten sich die Kanadier ja mit dem Eishockey-Halbfinalsieg gegen Deutschland…


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