Träumen vom Ski-Weltcup

Träumen vom Ski-Weltcup

Obwohl der Skiclub Biel ein Mitgründer des Verbands Swiss Ski war, brachte er nie Weltcup-Fahrer hervor. Nun überzeugen Cheryl Sunier und Anna Meyer im Regionalkader mit konstant guten Leistungen.

Die alpinen Ski-Wettbewerbe hatten an den Olympischen Spielen keinen optimalen Auftakt. Wegen den garstigen Verhältnissen vor Ort warteten die Skifahrer erst vergeblich auf ihre Starts, dann wurden gleich mehrere Rennen verschoben.

Etwas, was die Nachwuchsfahrerinnen Cheryl Sunier (aus La Heutte) und Anna Meyer (aus Magglingen) ebenfalls kennen. «Es ist mühsam, wenn Starts aufgeschoben werden, denn es wird irgendwann schwierig, die Konzentration hochzuhalten», sagt Cheryl Sunier. Anna Meyer erlebte auch eine Rennabsage. «Das war sehr frustrierend, weil ich zuvor so lange in der Kälte ausgeharrt habe.» Keine Wartezeiten gab es am vergangenen Sonntag, als die beiden in Les Mosses zwei regionale Rennen bestritten. In den beiden Super-G fuhren Sunier und Meyer je einmal auf den zweiten Rang.

Ihre Anfänge machten die beiden 14-Jährigen beim Skiclub Biel. Mittlerweile sind sie seit zwei Jahren im Regionalkader Giron Jurassien. Dort trainieren die Nachwuchsfahrer im Winter dreimal in der Woche auf Skipisten im Berner Jura, im Sommer stehen dreimal wöchentlich Konditionstrainings auf dem Programm. «Es sind zwei sehr talentierte Skifahrerinnen», sagt Nachwuchschef Jérôme Ducommun. Cheryl Sunier gehöre sogar zu den schweizweit Besten ihres Jahrgangs. Anna Meyer komme nicht ganz an dieses Niveau heran. «Aber sie hat in diesem Winter sowohl im physischen als auch im technischen Bereich grosse Fortschritte gemacht», so Ducommun.

Vorbilder Meillard und Shiffrin

Um sich auf Disziplinen zu spezialisieren, sind Cheryl Sunier und Anna Meyer noch zu jung. Präferenzen sind jedoch bereits vorhanden. Anna Meyer startet besonders gerne im Slalom, «weil ich da sehr technisch fahren kann». Was ihr weniger liege, seien Gleitpassagen. Cheryl Sunier mag es dagegen, wenn sie bei den Rennen etwas Tempo aufnehmen kann. Deshalb bevorzugt sie den Riesenslalom. Auch den Super-G bestreiten sie hin und wieder, Abfahrten sind dagegen verboten. Für diese Disziplin gilt bei Swiss Ski das Mindestalter 16.

Das Ziel der beiden ist klar: «Es wäre super, mal im Weltcup zu fahren», sagt Cheryl Sunier. Natürlich seien auch die Olympischen Spiele ein Traum. Die Vorbilder: «Melanie Meillard, weil sie so jung und schon so gut ist», sagt Anna Meyer. «Mikaela Shiffrin, weil sie einfach die Beste ist», sagt Cheryl Sunier. Die beiden wissen aber auch, dass der Weg zur Profikarriere noch ein weiter ist. In der «Nachwuchspyramide» von Swiss Ski befinden sie sich in der untersten der drei Ebenen. Als Nächstes käme der Übertritt ins nationale Leistungszentrum in Brig, eines der insgesamt drei Zentren schweizweit, in dem Schule, Beruf und sportliche Ausbildung kombiniert werden. Dieser Schritt stünde in zwei Jahren an, sofern Sunier und Meyer die nötigen Qualifikationen dafür erreichen. Wer auch in Brig überzeugt, dem winkt ein Platz im Kader von Swiss Ski.

Freundinnen seit erster Liftfahrt

Eine Weltcup-Fahrerin aus dem Bieler Skiclub? Das wäre eine Premiere. Meist ist der Aufwand für Unterländer zu hoch und die anfängliche Begeisterung weicht irgendwann der Resignation.

Bei Cheryl Sunier und Anna Meyer ist die rund sechs Jahre dauernde Leidenschaft jedoch nie abgeflaut. Damals, 2012, war Anna Meyer gerade frisch in den Klub eingetreten, Cheryl Sunier hatte bereits ein Jahr Erfahrung. Kennengelernt haben sie sich auf dem Bügellift. «Als wir oben ankamen, haben wir bereits gemeinsame Sommerferien geplant», erinnert sich Anna Meyer und lacht. Seither spornen sie sich gegenseitig an.

«Wir werden alles geben, um unseren Weltcup-Traum zu verwirklichen», sagen die beiden. Gleichzeitig wurde ihnen von ihren Ausbildnern eingeprägt, immer auch einen Plan B im Kopf zu haben, da nur wenige ihre Profi-Ambitionen auch tatsächlich verwirklichen können. Anna Meyer ginge gerne in Richtung Physiotherapie, Cheryl Sunier dachte zuletzt oft an die Hotellerie. «On verra.» Die nächsten Jahre werden es zeigen.

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Skiclub Biel lange ohne Perspektive

Cheryl Sunier und Anna Meyer waren für den Skiclub Biel ein Glücksfall, denn ihm fehlte es lange an Nachwuchs. Er wurde nur am Leben erhalten, weil sich ehemalige Rennfahrer für den Club einsetzten. Ein Verein, der seit 1903 existiere und 1904 Mitgründer des Verbands Swiss Ski sei, dürfe nicht einfach verschwinden. Weil viele der Vorstandsmitglieder über 60 Jahre alt waren, suchte der Club aber dringend frisches Blut. Da kamen Cheryls Eltern gerade recht. Zusammen mit seiner Frau Melanie, die bis dahin nichts mit Skifahren am Hut hatte, übernahm Thierry Sunier die Clubleitung. Weil er bilingue ist, konnte der abgeflachte Austausch mit dem Regionalverband Giron Jurassien erneuert werden. Auch die Eltern von Anna sind im nun verjüngten Vorstand.

Sobald Kinder die Grundkenntnisse des Skifahrens beherrschen und den Skilift eigenständig nutzen, ist ein Vereinsbeitritt möglich. Jeweils mittwochs führen ausgebildete Trainer in Prés-d’Orvin ein Training durch. Der Skiclub Biel arbeitet mit dem Skiclub Romand-Bienne zusammen, es finden gemeinsame Trainings statt. Eine Fusion werde aber wegen den verschiedenen Vereinsstrukturen nicht diskutiert, sagt Thierry Sunier. Er und seine Frau haben ihre Ämter behalten, obwohl ihre Tochter Cheryl nach dem Übertritt ins Regionalkader nur noch sporadisch im Club trainiert. «Wir spüren da eine Verantwortung unseren Vorgängern gegenüber», sagt Thierry Sunier. Diese hätten mit Herzblut dafür gesorgt, dass der Club überlebe. «Nun machen wir dasselbe.»


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