«Unsere Leistungen sollten mehr Beachtung finden»

«Unsere Leistungen sollten mehr Beachtung finden»

Am Wochenende ging für Florijana Ismaili die bereits achte Saison mit den Young Boys zu Ende. Abseits des Fussballfeldes setzte sich die Worbenerin dafür ein, dass die Frauenteams in den Vereinen mehr Anerkennung erhalten. Dem BT erzählt sie, wie es dazu kam.

Florijana Ismaili, haben Sie an der YB-Meisterfeier teilgenommen?

Florijana Ismaili: Beim Umzug durch die Stadt konnte ich leider nicht dabei sein, aber die Party im Stadion habe ich erlebt. Es war eine unglaublich tolle Stimmung.

Von solchem Support können die YB-Frauen nur träumen. Werden Sie angesichts dieser Bilder etwas neidisch?

Neidisch bin ich nicht. Ich freue mich ja mit unseren Männern mit. Aber die Feier zeigt die Dimensionen klar auf: Während die Fans die Männer als Helden bejubeln, werden meine Teamkolleginnen und ich von kaum jemandem wahrgenommen.

Ein Umstand, den Sie öffentlich beklagten. Gegenüber dem «Bund» sagten Sie, dass Sie sich mehr Anerkennung wünschen.

Ich bin der Meinung, dass unsere Leistungen mehr Beachtung finden sollten. Wir sind zwar nicht Meister geworden, aber wir spielen Jahr für Jahr um die vorderen Plätze mit. Trotzdem kommen selten mehr als 200 Zuschauer zu unseren Spielen.

Sie haben kritisiert, dass in den Vereinen immer zuerst bei den Frauen gespart würde. Gemäss Informationen aus Ihrem Verein, stimmt das zumindest bei YB nicht.

Ja, da habe ich mich etwas in Rage geredet. Mir ging es aber auch nicht primär ums Geld. Ich wollte nur sagen, dass der Fokus der Vereine etwas zu wenig auf den Frauen liegt.

Sie haben gefordert, dass es mehr gemeinsame Auftritte des YB-Männer- und Frauenteams geben soll.

Genau. Zum Beispiel gab es beim letzten Saisonstart eine gemeinsame Teampräsentation. Das ist doch schon etwas. Es braucht nicht viel. Es wäre bereits toll, wenn die Zuschauer der Männer-Spiele auch auf unsere Spieltermine aufmerksam gemacht würden.

Bei YB ist ein Vorstand für die Frauen geplant. Was erhoffen Sie sich davon?

Es geht darum, eine Stimme in der Geschäftsleitung zu haben. Wenn wir uns stets an eine Art Zwischenbehörde wenden müssen, besteht die Gefahr, dass die Anliegen aus dem Frauenteam auf dem Weg nach oben irgendwo versanden.

Wie ist es dazu gekommen, dass Sie in dieser Angelegenheit zum Sprachrohr des Teams wurden?

Zufällig. Ich wurde interviewt, weil ich die einzige YB-Spielerin bin, die beim Meistertitel 2011 im Kader stand. Meine Aussagen zur fehlenden Beachtung haben dann einige Reaktionen ausgelöst. Ich bin nicht nur von Medien darauf angesprochen worden, sondern auch von Fans und anderen Interessierten.

Ganz allgemein: Wird der Frauenfussball in der Schweiz zu wenig beachtet?

Es ist ein Auf und Ab. Der Fokus liegt vor allem auf dem Nationalteam. Über diese Spiele wird meist ausführlich berichtet. Anderes geht jedoch unter. Zum Beispiel ist der Schweizer Meistertitel des FC Zürich in der Presse kaum erwähnt worden.

Sie sagen, es ginge nicht ums Finanzielle. Geht es nicht immer ums Geld?

Natürlich ist Geld ein zentraler Faktor. Ich habe gemerkt, dass einige Leute eine komplett falsche Vorstellung davon haben, wie es im Frauenfussball läuft. Sie denken: «Ach du spielst bei YB, dann verdienst du sicher viel.»

Und wie ist es tatsächlich?

In der Schweiz gibt es keine Profis im Frauenfussball. Dies, obwohl die Schweiz in der Weltrangliste vor Ländern wie Italien ist, wo es eine Profiliga gibt. Tatsache ist, dass die Männer viel mehr verdienen als wir. Wir YB-Spielerinnen trainieren auch täglich, aber keine verdient ihren Lebensunterhalt mit Fussball.

Sie auch nicht? Sie sind immerhin Nationalspielerin.

Ich arbeite in einem Pensum zwischen 30 und 40 Prozent am Empfang eines Fitnessstudios. Das ist mein Haupteinkommen.

Vom Klub gibt es keinen Lohn?

Es gibt Zustüpfe in Form von Siegesprämien.

Kommen Sie damit gut über die Runden?

Es reicht, aber ich muss Abstriche machen. Ich wohne beispielsweise immer noch bei meinen Eltern, um Geld zu sparen.

Stört Sie das?

Eigentlich habe ich kein Problem damit, bei meinen Eltern zu wohnen. Aber ich bin doch bereits 23 Jahre alt. Da macht man sich vermehrt Gedanken über die Zukunft und was man von ihr erwartet. Ich würde jetzt gerne mal auf eigenen Beinen stehen.

Das bedeutet für Ihre Zukunft?

Ich werde wahrscheinlich mein Arbeitspensum auf 60 Prozent erhöhen. Dann fällt jedoch eines meiner Morgentrainings weg.

Haben Sie die Träume von einem Auslandengagement als Profi aufgegeben?

Nein, habe ich nicht. Die Möglichkeit bestand auch schon, aber schlussendlich muss das Gesamtpaket stimmen, insbesondere auch sportlich. Nun werde ich bei YB bleiben und möchte noch mehr Verantwortung übernehmen.

Bereuen Sie es manchmal, auf Spitzensport gesetzt zu haben?

Nein, überhaupt nicht. Dafür liebe ich den Sport zu sehr. Falls solche Gedanken auftauchen würden, müsste ich sofort aufhören, Fussball zu spielen.


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