«Zum Glück schiesst er immer übers Tor»

«Zum Glück schiesst er immer übers Tor»

Vor zwei Jahren spielten sie noch zusammen, im heute beginnenden Playoff-Final sind sie Gegenspieler. Die Serie zwischen Lyss und Zuchwil ist auch ein Duell der Brüder Eric und Olivier Hojac.

Den Bruder ungehindert vorbeiziehen lassen? «Kommt nicht infrage», sagt Olivier Hojac. «Da hagelt es schon mal ein paar Stockschläge.» Dies gilt in einem Playoff-Final erst recht. Die Häme wäre gross, würde sich sein Bruder in die Torschützenliste eintragen. In den zwei Spielzeiten, in denen Olivier (26) und Eric Hojac (24) nun regelmässig aufeinander trafen, hat keiner in einem Direktduell einen Treffer erzielt. Am nächsten an einen Torerfolg kam Lyss-Stürmer Eric. Er hatte bereits gejubelt, als ihm der erhobene Arm des Schiedsrichters auffiel. Weil eine Strafe gegen sein Team angezeigt war, zählte Erics Treffer nicht.

Nun stehen sich die Hojac-Brüder noch mindestens dreimal in Serie gegenüber. Die Zentralgruppe der 1. Liga wird zwischen Lyss und Zuchwil entschieden. «Für uns ist das besonders speziell», so Eric. Bis vor zwei Jahren hatten sie noch zusammengespielt – teilweise sogar im selben Block. Dann entschied sich Eric für den Wechsel nach Lyss. In Zuchwil, so sagt er, habe er sich mehr auf der Bank als auf dem Eis wiedergefunden. «In Lyss bekam ich die Chance, eine wichtigere Rolle zu übernehmen.»

Tschechisch? Nein danke

Olivier und Eric Hojac leben im Elternhaus in Bellach. Ihr Nachname stammt aus Tschechien und wird «Hojatsch» ausgesprochen. Mit dem Land ihres Vaters haben die beiden Brüder jedoch kaum etwas zu tun. «Wir waren nur ein paarmal dort, um Verwandte zu besuchen.» Die Sprache beherrschen sie nicht. Zwar wollte Vater Miroslav seinen Söhnen in jungem Alter Tschechisch beibringen, sie wehrten sich jedoch dagegen. Sie goutierten es nämlich nicht, dass ihr Vater wiederholt aus geschäftlichen Gründen nach Tschechien reiste. «Weil wir ihn vermissten, assoziierten wir Tschechien und die Sprache mit etwas Schlechtem», erklärt Olivier. Heute zeigen sie sich reuig, nicht kooperativer gewesen zu sein. «Ich würde gerne eine Zweitsprache beherrschen», sagt Eric.

Wenn ihr Vater fort war, passte oft die in Zuchwil lebende Grossmutter auf die beiden Jungs auf. Bei den Spaziergängen der Aare entlang gingen sie wiederholt an der Eishalle vorbei. «Ich wollte immer schauen, was dort drin los ist», erinnert sich Olivier. Die Eishockeyspieler schindeten bei ihm Eindruck. Bereits als 4-Jähriger sagte Olivier seinen Eltern, dass er Eishockey spielen möchte.

Wie es so oft vorkommt, eiferte der rund zweieinhalb Jahre jüngere Eric seinem grossen Bruder nach. Auch er machte mit 4 Jahren in der Hockeyschule erste Schwünge auf dem Eis.

In Biel gescheitert

Sowohl Olivier als auch Eric spielten sich bis in die Juniorenteams des EHC Biel. Beide hegten Ambitionen, mal in der ersten Mannschaft aufzulaufen. Es sollte jedoch nicht sein. Als Olivier merkte, dass er nicht mit den Besten mithalten konnte, konzentrierte er sich auf die Ausbildung – er studierte Sportmanagement.

Eric kam dem Fanionteam etwas näher. Er trainierte einen Sommer lang mit dem Bieler NLA-Team und wurde auch einmal in einem Testspiel eingesetzt. Überzeugen konnte er die Verantwortlichen aber nicht. «Deshalb habe ich mich auf die Polymechankier-Lehre konzentriert.»

Auf dem Eis bewegen sich die Hojac-Brüder ähnlich. Beide sind eher klein (Eric 1.71, Olivier 1.77), dafür schnell und wendig. «Er hat den etwas stärkeren Schuss», gibt Olivier zu und stichelt sogleich: «Zum Glück schiesst er immer übers Tor.»

Lyss wird favorisiert

Im Hinblick auf den Final sind sich die beiden einig: Der SC Lyss ist Favorit. Vier der bisher fünf Saisonduelle haben die Seeländer für sich entschieden. So klar, wie es auf dem Papier aussieht, waren die Partien jedoch nicht. «Wir müssen versuchen, ihre starke Defensive zu überwinden», sagt Eric. Die Solothurner haben in der Qualifikation zwar 14 Punkte weniger als Lyss geholt, aber nur ein Tor mehr als die Seeländer kassiert. Auch in den Viertel- und Halbfinalserien zeigte sich Zuchwils Abwehr gefestigt: Vier der fünf Spiele entschieden sie in der regulären Spielzeit für sich – ein Sieg wurde ihnen nachträglich zugesprochen, weil Gegner Aarau einen nicht-lizenzierten Spieler eingesetzt hatte.

Lyss griff als Qualifikationssieger erst im Halbfinal ins Geschehen ein. Eine Pause, die dem Team nicht nur gut getan hat. «In der ersten Partie brauchten wir einen Moment, bis wir wieder im Wettkampfmodus waren», sagt Eric. Jetzt seien sie jedoch bereit für einen «unangenehmen Gegner» und eine womöglich lange Finalserie.

In dieser wird es vermutlich erneut zur einen oder anderen Nicklichkeit zwischen den Brüdern kommen. «Die blöden Sprüche gehören dazu, das nehmen wir uns nie übel. Nach den Spielen sitzen wir gemeinsam im Auto und analysieren den Match.»


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